RatgeberBauen und Sanieren
Luftdichtheit und Blower-Door-Test: Was gemessen wird
Thomas Rosenberg
Bauherren hören den Begriff Blower-Door-Test meist erst kurz vor der Fertigstellung, oft zu einem Zeitpunkt, an dem sich Mängel nur noch mit Aufwand beheben lassen. Dabei ist die Messung ein einfaches Verfahren, das über die Dichtheit der Gebäudehülle Auskunft gibt. Dieser Beitrag erklärt, was gemessen wird, was das Ergebnis nicht verrät und zu welchem Zeitpunkt im Bauablauf die Messung am meisten nützt.
Was ist Luftdichtheit und warum ist sie wichtig?
Luftdicht ist ein Gebäude, wenn durch Fugen und Durchdringungen in der Hülle möglichst wenig Luft unkontrolliert hinein- oder hinausströmt. Hergestellt wird das durch eine luftdichte Ebene auf der Innenseite, zum Beispiel aus Folie, Bahnen oder Putz. Außen ergänzt eine winddichte Schicht die Konstruktion.
Undichte Stellen führen zu Zugluft, geringerem Wohnkomfort und höheren Heizkosten. Dazu kommt ein Risiko für die Konstruktion. Strömt warme Raumluft durch eine Leckage in kalte Bauteilzonen, kann dort Tauwasser entstehen, das Dämmstoffe und Holz durchfeuchtet.
Wie funktioniert der Blower-Door-Test?
In eine Außentür, meist die Haustür, wird ein Rahmen mit einer Plane und einem Ventilator eingebaut. Der Ventilator erzeugt im Haus einen Unterdruck und später einen Überdruck. Üblich ist ein Prüfdruck von 50 Pascal, was etwa fünf Windstärken entspricht. Je undichter das Haus ist, desto mehr Luft muss der Ventilator nachfördern, um diesen Druck zu halten.
Aus der Menge der nachströmenden Luft ergibt sich der n50-Wert. Er gibt an, wie oft das Luftvolumen des Gebäudes bei 50 Pascal pro Stunde ausgetauscht würde. Gemessen wird häufig als Kennlinie in einem Bereich von etwa 10 bis 60 Pascal. Die Messung dauert ungefähr drei Stunden. Während dieser Zeit sollten im Haus keine Arbeiten stattfinden, und Fenster sowie Außentüren bleiben geschlossen.
Was der Test nicht zeigt
Das Ergebnis ist ein einzelner Wert für das ganze Gebäude. Wo die Lecks sitzen und wie groß sie sind, geht daraus nicht hervor. Dafür ist ein zweiter Schritt nötig, die Leckageortung. Dabei wird das Haus mit Unterdruck betrieben, und die undichten Stellen werden mit Nebel, einer Wärmebildkamera oder von Hand aufgespürt und protokolliert.
Die Thermografie hat dabei eine Einschränkung. Sie braucht einen ausreichenden Temperaturunterschied zwischen innen und außen, genannt wird ein Unterschied ab etwa 10 Grad. Im Rohbau ist das oft nicht gegeben, dann bietet sich der Nebel an.
Wo sitzen die typischen Leckagen?
Undichtigkeiten entstehen eher an Anschlüssen und Durchdringungen als in der Fläche. Eine Untersuchung der Universität Kassel stuft Anschlussbereiche als deutlich anfälliger ein als die Bauteilflächen selbst. Häufig genannt werden diese Stellen.
- Anschlüsse von Fenstern und Türen
- Übergänge zwischen Wand und Dach
- Durchführungen für Rohre und Leitungen
- Steckdosen und Schalter in Außenwänden
- Außenecken und Vorwandinstallationen, etwa hinter Spülkästen
- beschädigte Dampfbremsen
Viele dieser Stellen verschwinden später hinter Verkleidung und Putz. Deshalb spielt der Zeitpunkt der Messung eine so große Rolle.
Wann im Bauablauf sollte gemessen werden?
Sinnvoll sind in der Regel zwei Messungen mit unterschiedlichem Zweck.
| Messung | Zeitpunkt | Nutzen |
|---|---|---|
| Zwischenmessung | luftdichte Ebene fertig, aber noch offen, vor Verkleidung und Spachtelarbeiten | Leckagen sind erreichbar und lassen sich einfach nachbessern |
| Schlussmessung | am fertigen Haus, vor der Bauabnahme | Nachweis des Ergebnisses, Messprotokoll für Unterlagen und Förderanträge |
Wer nur am Ende misst, findet Lecks hinter Wandverkleidungen, wo sie schwer zu orten und aufwendig zu beheben sind. Die Messung sollte deshalb früh eingeplant und im Bauvertrag geregelt werden. Bei Sanierungen findet sie nach Abschluss der Arbeiten statt, und Förderprogramme können einen Nachweis verlangen.
Zur Vorbereitung gehören geschlossene Außentüren und Fenster, geöffnete Innentüren und abgedichtete Lüftungsöffnungen. Das Messprotokoll sollten Sie aufbewahren.
Warum sollte die Messung vor der Abnahme stattfinden?
Bis zur Bauabnahme muss der Unternehmer nachweisen, dass er fachgerecht gearbeitet hat. Danach liegt die Beweislast meist beim Bauherrn, und der Nachweis eines Mangels gelingt dann oft nur mit Mühe. Darauf weist ein Berater des Bauherren-Schutzbunds hin. Ein Messwert, der schon vor der Abnahme vorliegt, verbessert deshalb die Ausgangslage, weil ein schlechtes Ergebnis dann noch vor der Abnahme auffällt.
Was ein guter Messwert nicht garantiert
Ein bestandener Test ist ein gutes Zeichen, aber keine Zusicherung. Auch bei einem guten Gesamtwert kann an einzelnen Stellen warme Raumluft in die Konstruktion strömen und Feuchte eintragen. Die Kasseler Untersuchung hält Konvektion von innen nach außen für die überwiegende Ursache solcher Schäden. Sie stellt aber auch fest, dass Schäden seltener auftreten, als die Zahl der Leckagen vermuten ließe, und dass sich das Risiko nur unsicher abschätzen lässt.
Ebenso ersetzt ein dichtes Haus nicht das Lüften. Wer die Hülle abdichtet, muss den Luftaustausch durch regelmäßiges Lüften oder eine Lüftungsanlage sicherstellen.
Fazit: Was bringt die Messung Bauherren?
Der Blower-Door-Test liefert einen Gesamtwert für die Dichtheit des Hauses. Den größten Nutzen hat er, wenn eine Zwischenmessung stattfindet, solange die luftdichte Ebene noch zugänglich ist. Die Schlussmessung vor der Abnahme dient als Nachweis. Wo genau Lecks sitzen, zeigt erst die Leckageortung, und ein guter Wert schließt Feuchteschäden nicht vollständig aus. Bei größeren Bauvorhaben kann ein unabhängiger Sachverständiger helfen, Messtermine festzulegen und Ergebnisse einzuordnen.
Häufige Fragen
Muss jeder Neubau einen Blower-Door-Test machen?
Das hängt vom Vorhaben ab. Förderprogramme verlangen meist die Schlussmessung, und ein Neubau ohne Lüftungsanlage braucht den Test nicht zwingend. Fragen Sie vor Baubeginn bei Ihrer Förderstelle nach, was für Ihr Projekt gilt, und halten Sie die Messung im Vertrag fest.
Zeigt der Test, wo es zieht?
Der Test selbst liefert nur den Gesamtwert für das Haus. Die undichten Stellen werden in einem zweiten Schritt mit Nebel, Wärmebild oder Handmessung gesucht und protokolliert. Erst mit diesem Protokoll lässt sich gezielt nachbessern.
Wird auch bei einer Sanierung gemessen?
Bei Sanierungen erfolgt die Messung nach Abschluss der Arbeiten. Sie zeigt dann, ob die neu hergestellte Hülle dicht geworden ist. Für Fördermittel, etwa der KfW, kann sie verlangt werden.
Dieser Beitrag gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung.
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