RatgeberSchadstoffe
Blei in Wasserleitungen im Altbau: Prüfen und Handlungsmöglichkeiten
Thomas Rosenberg
In älteren Häusern können noch Bleirohre liegen, ohne dass es die Bewohner wissen. Seit dem 12. Januar 2026 sind Bleileitungen in der Trinkwasserinstallation nach Angaben der Verbraucherzentrale verboten, und Eigentümer müssen sie ersetzen. Dieser Beitrag erklärt, wie Sie herausfinden, ob Ihr Haus betroffen ist, was eine Wasserprobe aussagt und wer für welchen Teil der Leitung zuständig ist.
In welchen Gebäuden liegen Bleileitungen?
Blei war lange ein beliebtes Rohrmaterial, weil es weich und leicht zu verarbeiten ist. In Deutschland wurden Bleirohre bis etwa 1973 verbaut, vor allem im Norden und Osten. Im Süden des Landes verzichtete man nach Angaben des Umweltbundesamtes schon viel früher darauf. Das Umweltbundesamt und ein Fachportal für Baufragen empfehlen, bei Häusern aus der Zeit vor 1970 zu prüfen, ob Bleileitungen vorhanden sind. Andere Stellen nennen 1973 als Grenze, weshalb Sie bei Gebäuden aus den frühen 1970er-Jahren am besten ebenfalls nachfragen.
Blei steckt außerdem nicht nur in Rohren. Auch Armaturen, Verbinder, Wasserzähler, Kupferlegierungen und verzinkter Stahl können es abgeben. Ein Haus ohne Bleirohre ist deshalb nicht automatisch frei von Bleiquellen.
Warum ist Blei im Trinkwasser ein Problem?
Blei wirkt als Nerven- und Blutgift. Es kann die Blutbildung, die Nieren und das Nervensystem schädigen und die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen. Besonders gefährdet sind Schwangere, Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder. Der Körper lagert Blei an, rund 90 Prozent davon in den Knochen. Folgen zeigen sich oft erst nach Jahren.
Aus der Leitung löst sich mehr Blei, wenn das Wasser lange darin gestanden hat, etwa über Nacht. Der Grenzwert liegt seit Dezember 2013 bei 0,010 Milligramm je Liter und sinkt nach Angaben der Region Hannover ab Januar 2028 auf 0,005 Milligramm. Die Verbraucherzentrale Hamburg beschreibt ihn als nur dann zuverlässig einhaltbar, wenn keine Bleirohre in der Hausinstallation liegen. Schon kurze Bleiabschnitte können ihn überschreiten.
Wie prüfen Sie, ob Blei verbaut ist?
Die Prüfung läuft in mehreren Schritten, von einfachen Hinweisen bis zur Laboranalyse.
Unterlagen, Sichtprüfung und Wasserversorger
Beginnen Sie mit dem Baujahr und vorhandenen Installationsplänen. Danach lohnt ein Blick auf die sichtbaren Rohre, meist im Keller oder in der Steigleitung. Bleirohre sind grau-silbern und klingen beim Klopfen eher dumpf. Das ist nur ein erster Hinweis, denn Sicherheit gibt erst eine Prüfung durch einen Fachbetrieb oder eine Laboranalyse. Zum Material des Hausanschlusses kann Ihnen der Wasserversorger Auskunft geben.
Wasserprobe im Labor
Eine Wasserprobe zeigt, ob der Grenzwert eingehalten wird. Rechtlich belastbar ist sie nach Angaben der Verbraucherzentrale nur, wenn ein zertifiziertes Labor sie nach mindestens vier Stunden Standzeit des Wassers nimmt. Viele Gesundheitsämter bieten Untersuchungen kostenlos oder günstig an, ein Anruf dort kann sich daher lohnen.
Eine einzelne Probe ohne vorheriges Spülen gibt nur einen groben Überblick. Fällt sie auffällig aus, folgt eine gestaffelte Probe. Dabei werden mehrere Proben nach unterschiedlichen Standzeiten genommen, um zu klären, ob das Blei aus dem Hausanschluss, aus einer Armatur oder aus der Hausinstallation stammt. Auch eine unauffällige Probe ist keine Garantie, denn der Bleigehalt kann je nach Zapfstelle stark schwanken.
Wer ist für welchen Teil der Leitung zuständig?
Das Wasser kommt über die Hausanschlussleitung ins Haus, von der Versorgungsleitung in der Straße bis zum Wasserzähler. Dafür ist der Wasserversorger zuständig, der sie auch allein austauschen darf. Alles hinter dem Zähler gehört zur Hausinstallation und liegt in der Verantwortung des Eigentümers. Wer die Zuständigkeiten verwechselt, wendet sich an den falschen Ansprechpartner, deshalb lohnt die Klärung vor dem Austausch. Gibt es einen Bleianschluss, fragen Sie rechtzeitig beim Versorger an.
Was müssen Eigentümer tun, wenn Blei gefunden wird?
Vorgesehen ist der vollständige Austausch der betroffenen Leitungen durch einen Fachbetrieb, mit lückenloser Dokumentation und geprüften Produkten. Ein Teilaustausch ist riskant, weil verbleibende Reste der alten Leitung in Verbindung mit neuem Metall den Bleigehalt sogar erhöhen können. Das Verbot betrifft laut Verbraucherzentrale auch kleine Teilstücke, Armaturen und Lötverbindungen. Eine bloße Stilllegung ist nur in Ausnahmefällen zulässig.
Wer Bleileitungen kennt oder vermutet, muss die Nutzer des Hauses unverzüglich informieren, einschließlich des geplanten Austauschzeitpunkts. Dortmund nennt zudem eine Meldung von Austausch oder Stilllegung an das Gesundheitsamt. Welche Pflichten bei Ihnen konkret gelten, erfahren Sie beim örtlichen Gesundheitsamt. Für den Austausch kommen je nach Maßnahme Förderprogramme der KfW infrage, die Bedingungen sollten Sie vorab prüfen.
Was hilft im Alltag bis zum Austausch?
Bis die Leitung ersetzt ist, lässt sich die Belastung mit einfachen Gewohnheiten verringern.
- Lassen Sie Wasser nicht länger als vier Stunden in der Leitung stehen.
- Lassen Sie nach längerer Abwesenheit das Wasser ablaufen, bis es gleichbleibend kühl ist.
- Verwenden Sie zum Trinken und Kochen kein abgestandenes Wasser. Zum Duschen oder Gießen eignet es sich nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg noch.
- Schwangere und Säuglinge greifen besser zu abgepacktem Wasser.
- Entkalken Sie Espressomaschinen nicht mit säurehaltigem Entkalker, weil sich dabei Blei lösen kann.
Was gilt für Mieter?
Mieter müssen den Austausch nach Angaben der Verbraucherzentrale nicht bezahlen. Der Berliner Mieterverein ordnet ihn als Instandsetzung ein, deren Kosten sich nicht auf die Mieter umlegen lassen (Stand 2014). Mieter können schriftlich eine Prüfung verlangen und das Gesundheitsamt einschalten. Bei nachgewiesener Überschreitung des Grenzwerts kann nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg eine Mietminderung in Betracht kommen.
Wann ist ein unabhängiger Sachverständiger sinnvoll?
Ein unabhängiger Sachverständiger hilft, wenn unklar ist, wo im Haus Blei vorkommen kann, etwa vor einem Hauskauf oder einer Sanierung. Er kann Befunde einordnen und die Beauftragung des Austauschs vorbereiten. Er sollte niemandem verpflichtet sein, der am Verkauf oder an der Ausführung verdient.
Fazit: Was ist jetzt zu tun?
Bei Häusern aus der Zeit bis in die frühen 1970er-Jahre lohnt es sich, das Material der Leitungen zu klären. Hinweise liefern Baujahr, Sichtprüfung und Wasserversorger, belastbar wird das Ergebnis erst durch eine Laborprobe. Wird Blei gefunden, ist der vollständige Austausch durch einen Fachbetrieb vorgesehen, und die Nutzer müssen informiert werden. Bis dahin helfen kurze Standzeiten und abgepacktes Wasser für Schwangere und Säuglinge.
Häufige Fragen
Reicht eine unauffällige Wasserprobe aus?
Eine einzelne unauffällige Probe schließt Blei nicht sicher aus. Der Bleigehalt schwankt je nach Zapfstelle, und eine Probe zeigt nur den Zustand zu einem Zeitpunkt. Eine gestaffelte Probe mit mehreren Standzeiten gibt ein genaueres Bild.
Wer zahlt den Austausch der Hausanschlussleitung?
Die Leitung bis zum Wasserzähler gehört in den Zuständigkeitsbereich des Wasserversorgers. Wie die Kosten dort verteilt werden, ist nach Angaben des Berliner Mietervereins überwiegend Sache der Eigentümer und regional verschieden. Fragen Sie daher direkt beim Versorger nach.
Muss ich beim Hauskauf auf Bleirohre achten?
Bei einem Altbau sollten Sie Baujahr und Leitungsmaterial vor dem Kauf erfragen. Weil Eigentümer Bleileitungen ersetzen müssen, kann ein vorhandener Bleianschluss zusätzliche Arbeiten bedeuten. Eine Fachperson kann beurteilen, wie sich das auf Ihre Pläne auswirkt.
Dieser Beitrag gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt weder eine Rechtsberatung noch eine ärztliche Beratung.
Jetzt einen passenden Bausachverständigen finden
Wenn es um Ihr Haus oder Ihre Wohnung geht, zählt eine fachkundige Einschätzung, auf die Sie sich verlassen können. Unsere Bausachverständigen bringen dafür langjährige Erfahrung am Bau mit und helfen Ihnen persönlich weiter.



