RatgeberSchadstoffe
Holzschutzmittel im Dachstuhl - Anzeichen und Vorgehen
Maresa Blume
Wer ein Haus aus den 1950er bis 1980er Jahren besitzt oder kaufen möchte, stellt sich oft die Frage, ob das Holz im Dachstuhl mit alten Schutzmitteln behandelt wurde. Das kann relevant werden, sobald der Dachraum gedämmt oder zum Wohnraum ausgebaut werden soll. Dieser Beitrag erklärt, was damals verwendet wurde, welche Anzeichen es gibt, wovon die Bewertung abhängt und wie Untersuchung und Sanierung üblicherweise ablaufen.
Was wurde früher im Dachstuhl verwendet?
Bis Ende der 1980er Jahre musste tragendes Holz in Gebäuden der Bundesrepublik vorbeugend chemisch geschützt werden, in der DDR galt das bis 1990. Dafür kamen häufig lösemittelhaltige Mittel mit Pentachlorphenol (PCP), Lindan oder DDT zum Einsatz. PCP wirkt gegen Pilze, Lindan und DDT gegen Insekten. In der DDR war außerdem das Mittel Hylotox 59 verbreitet, das DDT und Lindan enthielt und vor allem auf Dachböden aufgetragen wurde.
Das Problem liegt darin, dass diese Wirkstoffe sich kaum abbauen. Sie gasen über viele Jahre aus dem Holz aus und setzen sich im Hausstaub ab. PCP gilt als krebserzeugend, und auch DDT wird gesundheitlich als bedenklich eingestuft. Kinder sind besonders betroffen, weil sie über Hand-Mund-Kontakt mit Staub mehr davon aufnehmen können.
Woran erkennen Sie Holzschutzmittel im Dachstuhl?
Sichere Anzeichen gibt es nicht, aber es gibt Hinweise, die Anlass zur Untersuchung sein können.
Geruch und Kristalle
Ein öliger Geruch im Dachraum kann auf Holzschutzmittel hindeuten. Ebenso raureifartige Kristalle auf dem Holz, die als typisch für Hylotox 59 gelten. Ein muffiger Geruch kann von Zersetzungsprodukten der Mittel stammen, muss es aber nicht.
Baujahr und Umbaugeschichte
Aussagekräftiger als die Nase sind oft die Eckdaten des Hauses. Das Baujahr und frühere Arbeiten am Dach zeigen, ob chemischer Holzschutz wahrscheinlich ist. Fragen Sie den Verkäufer oder Vorbesitzer, ob und womit das Holz behandelt wurde.
Warum nur eine Analyse Sicherheit gibt
Ob ein Mittel tatsächlich enthalten ist und welcher Wirkstoff vorliegt, lässt sich nur im Labor feststellen. Dafür nimmt ein Gutachter Holz- oder Staubproben. Wenn Sie vermuten, dass Holz belastet ist, sollten Sie es weder anfassen noch schleifen.
Wann wird es für Bewohner relevant?
Hier kommt es vor allem auf die Nutzung an. Ein nicht ausgebauter, belüfteter Dachboden gilt nach Angaben von Stiftung Warentest meist als unproblematisch, weil Ritzen zwischen den Ziegeln für Luftaustausch sorgen. Der Raum dient dann als Stauraum, und die Wirkstoffe gelangen kaum in die Wohnräume.
Anders ist es, wenn das Dach gedämmt, abgedichtet oder zu Wohnraum wird. Dann können die Stoffe in die Räume gelangen, und beim Ausbau selbst entsteht durch Schleifen belasteter Staub. In bewohnten Räumen, besonders in Schlaf- und Kinderzimmern, wird eine Sanierung vorsorglich empfohlen. Der Dachboden ist also weder pauschal gefährlich noch pauschal harmlos.
Wie wird untersucht und gemessen?
Ein fachkundiger Gutachter für Innenraumschadstoffe geht in der Regel schrittweise vor. In Deutschland gibt es dafür die PCP-Richtlinie, deren Maßnahmen auch bei anderen Wirkstoffen helfen können. Zuerst wird abgeschätzt, wie viel behandelte Holzfläche im Verhältnis zum Raum vorhanden ist. Danach folgen Staubproben, dann Holzproben und zuletzt, wenn nötig, eine Messung der Raumluft unter üblichen Nutzungsbedingungen.
Nicht jeder Schritt ist in jedem Fall nötig. Lässt sich PCP ausschließen, entfallen weitere Untersuchungen. Eine Luftmessung ist außerdem nicht der einzige Weg, denn auch Material- und Staubuntersuchungen führen zu belastbaren Ergebnissen.
Gutachter finden Sie über Gesundheits- und Umweltämter, Verbraucherberatungsstellen oder das IHK-Sachverständigenverzeichnis. Für ein Sanierungskonzept empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW einen Sachverständigen, der von Sanierungsfirmen unabhängig ist.
Welche Sanierung kommt infrage?
Welche Lösung passt, hängt von der geplanten Nutzung und vom Untersuchungsergebnis ab. Genannt werden drei Wege.
| Maßnahme | Idee |
|---|---|
| Abschottung | Eine luftdichte Schicht, etwa eine Dampfbremse oder Plattenbekleidung, hält das Ausgasen vom Wohnraum fern. Plattenbekleidung erhöht die Last auf der Konstruktion. |
| Einkapseln | Die Balken werden luftdicht umhüllt, zum Beispiel mit Alufolie, und anschließend verkleidet. |
| Dekontamination | Belastetes Material wird fachgerecht gereinigt, nach einem Merkblatt der WTA. |
Nur das Holz zu entfernen, reicht häufig nicht, weil der Staub bereits belastet ist. Auch neue Dämmung und Dampfsperre lösen das Problem nicht von allein. Wird abgedichtet, ohne die Hölzer gezielt abzuschotten, können Stoffe in den Wohnraum gedrückt werden. Raumluftmessungen vor und nach der Sanierung zeigen, ob die Maßnahme gewirkt hat. Arbeiten an belasteten Bauteilen gehören in Fachhände, die Arbeitsschutz beachten.
Bis zur Klärung helfen verstärktes Lüften und das Entfernen von Staub, feucht oder mit einem Staubsauger mit HEPA-Filter.
Was sollten Eigentümer beachten?
Das Bauordnungsrecht verpflichtet Eigentümer, Gebäude so instand zu halten, dass Leben und Gesundheit nicht gefährdet werden. Bei Umbau oder Sanierung sollen sie prüfen, ob eine Gefährdung durch alte Biozide besteht. Vor Kauf, Umbau oder Dachausbau lohnt sich deshalb eine Prüfung durch einen Sachverständigen, bevor Dämmung und Verkleidung die Hölzer verdecken.
Wenn Sie eine Sanierungsfirma beauftragen, sollten Sie die Sanierungsziele im Vertrag festhalten. Wer allein nach dem Preis auswählt, ohne Ziele zu vereinbaren, kann später schwer prüfen, ob das Ergebnis genügt.
Was bedeutet das für Ihre Entscheidung?
Alte Holzschutzmittel sind ein Thema für jeden Dachausbau und jeden Hauskauf mit Dachgeschoss in diesem Baujahrbereich. Entscheidend ist, wie der Raum genutzt wird. Als Stauraum bleibt ein belüfteter Dachboden meist unauffällig, als Wohnraum braucht er eine Untersuchung und eventuell eine Sanierung. Lassen Sie die Frage klären, bevor gedämmt oder ausgebaut wird.
Häufige Fragen
Reicht es, wenn ich das Holz im Dachstuhl austauschen lasse?
Ein Austausch allein genügt oft nicht. Der Hausstaub kann bereits sekundär belastet sein und bleibt nach dem Entfernen des Holzes als Quelle bestehen. Ein Gutachter prüft deshalb auch Staub und Bauteile und legt fest, was mit behandelt werden muss.
Kann ich Holzschutzmittel selbst riechen oder erkennen?
Ein öliger Geruch oder raureifartige Kristalle auf dem Holz sind Hinweise. Eine sichere Aussage ist damit nicht möglich. Klarheit schafft nur eine Analyse durch einen fachkundigen Gutachter.
Wann ist eine Raumluftmessung sinnvoll?
Sie bildet in der Regel den letzten Schritt der Untersuchung, nach Staub- und Holzproben. Vor und nach einer Sanierung zeigt sie zudem, ob die Maßnahme gewirkt hat. Ob und wann sie nötig ist, entscheidet der Gutachter im Einzelfall.
Dieser Beitrag gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt weder eine Rechtsberatung noch eine ärztliche Beratung.
Jetzt einen passenden Bausachverständigen finden
Wenn es um Ihr Haus oder Ihre Wohnung geht, zählt eine fachkundige Einschätzung, auf die Sie sich verlassen können. Unsere Bausachverständigen bringen dafür langjährige Erfahrung am Bau mit und helfen Ihnen persönlich weiter.



