RatgeberSchadstoffe
Teerhaltiger Parkettkleber (PAK): Woran man ihn erkennt
Thomas Rosenberg
Wer im Altbau das Parkett herausnehmen oder abschleifen möchte, sollte vorher wissen, womit es verklebt ist. Manche alte Parkettböden sitzen auf einem Kleber aus Steinkohlenteerpech, der Schadstoffe aus der Gruppe der PAK enthält. Von außen lässt sich dieser Kleber kaum sicher erkennen. Dieser Beitrag zeigt, welche Hinweise es gibt, warum Farbe und Geruch nicht reichen und wie Sie vor einem Umbau Klarheit bekommen.
Was ist teerhaltiger Parkettkleber?
Früher wurde Teerpech in Lösemitteln gelöst und als Kleber für Parkett verwendet. Teerpech enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK. Viele dieser Stoffe gelten als krebserregend und erbgutverändernd. Als Leitsubstanz für die Bewertung dient Benzo[a]pyren, abgekürzt BaP.
Später kamen Kleber auf Bitumenbasis und auf Kunstharzbasis auf. Bitumenkleber enthalten in der Regel deutlich weniger PAK. In Deutschland werden Teerkleber seit Mitte der 1970er Jahre nicht mehr hergestellt, im Bestand liegen sie aber teilweise noch unter alten Böden.
Welche Hinweise gibt es auf einen Teerkleber?
Sicher erkennen lässt sich Teerkleber nur im Labor. Es gibt aber zwei Anhaltspunkte, die den Verdacht stützen oder entkräften.
Baujahr und Verlegezeitpunkt
Wurde das Haus oder der Boden bis in die 1960er Jahre verlegt, ist der Verdacht begründet. Die Angaben zum Zeitraum gehen auseinander, manche Stellen nennen eher die 1950er Jahre, andere rechnen vereinzelt mit späteren Klebern. Eine feste Grenze gibt es daher nicht. Auch Bitumenkleber konnten laut den PAK-Hinweisen des DIBt bis etwa 1981 noch relevante Teeranteile enthalten. Ein Parkett aus den 1970er Jahren ist deshalb nicht automatisch unbedenklich.
Zustand des Bodens
Gefährlicher wird ein Teerkleber vor allem dann, wenn der Boden schadhaft ist. Dann kann der Kleber Stoffe an Raumluft und Staub abgeben, auch nach Jahrzehnten. Als schadhaft gilt Parkett, wenn Stäbe lose sind, Fugen breiter als 2 mm sind oder der Unterboden nicht intakt ist. Auch ein spröder, ausgetrockneter Kleber spricht für einen genaueren Blick.
Reichen Farbe oder Geruch als Test?
Auf Farbe und Geruch sollten Sie sich nicht verlassen. Teerkleber sind schwarz oder dunkelbraun, Bitumenkleber sehen aber genauso aus. Dunkler Kleber ist also ein Anlass zur Prüfung und kein Beweis für Teer. Ebenso wenig belegt ein hellerer Kleber, dass er frei von Teer ist. Auch der Geruch ist als Erkennungsmerkmal nicht verlässlich belegt. Eigene Versuche, den Kleber anzuritzen, anzuzünden oder zu erhitzen, sind riskant und führen zu keinem sicheren Ergebnis.
Zu bedenken ist außerdem, dass Kleber auch unter anderen Belägen liegen kann, nicht nur unter Parkett. Und in Kleber oder Estrich kann Asbest stecken, was bei einer Untersuchung mitgedacht werden sollte.
Wie bekommen Sie Sicherheit?
Sicherheit bringt eine Laboranalyse einer Klebstoffprobe auf BaP beziehungsweise PAK. Die Probe sollten Sie nicht auf eigene Faust nehmen. Lassen Sie sich vom Labor genau erklären, wie vorgegangen wird, oder beauftragen Sie einen Sachverständigen. Ansprechstellen, die die Verbraucherzentrale nennt, sind die AGÖF, der Berufsverband Deutscher Baubiologen und der Gesamtverband Schadstoffsanierung.
Bis das Ergebnis vorliegt, sollte der Boden nicht abgeschliffen, ausgebaut oder erhitzt werden. Beim Ausbau kann PAK-haltiger Staub in der ganzen Wohnung verteilt werden.
Was bedeutet das Laborergebnis?
Die Einordnung folgt den Hinweisen des Landes NRW. Sie dient der Orientierung, die endgültige Bewertung gehört in die Hand einer Fachperson.
| Ergebnis der Klebstoffprobe | Nächster Schritt |
|---|---|
| unter 10 mg BaP/kg Kleber | keine weiteren Maßnahmen nötig |
| 10 bis 3.000 mg BaP/kg Kleber | Hausstaub wird untersucht |
| über 3.000 mg BaP/kg Kleber | Luftmessung, wenn der Staub unter 10 mg/kg liegt |
Wie hoch die Werte ausfallen können, zeigt eine Auswertung von rund 2.500 Proben. Der Median lag bei etwa 800 mg BaP/kg, einzelne Proben lagen bei 8.000 mg/kg und mehr. Zum Vergleich enthält reines Bitumen etwa 2 mg/kg.
Was gilt vor dem Umbau und bei einem Befund?
Bei einem Befund hängt das Vorgehen vom Zustand des Bodens ab. Möglich ist, Fugen zu schließen und den Boden neu zu versiegeln, einen neuen Belag so aufzubringen, dass er abdichtet, das Parkett zu entfernen und den Kleber abzuschotten oder alles zu entfernen. Bei intaktem Parkett kann eine Versiegelung die Belastung senken. Welche Lösung passt, sollte ein Sachverständiger anhand von Befund und Nutzung einschätzen.
Entfernen sollte den Kleber nur eine Fachfirma mit Sachkundenachweis. Sie arbeitet nach der Handlungsanleitung der BG BAU und beachtet die Technischen Regeln für Gefahrstoffe. Nach der Arbeit folgen eine Feinreinigung und eine Kontrollmessung. Fachfirmen finden Sie über die Handwerkskammer-Suche mit dem Stichwort PAK-Klebstoffe oder über den Gesamtverband Schadstoffsanierung.
Was ist das Fazit?
Ob ein Parkettkleber teerhaltig ist, sehen Sie ihm nicht an. Baujahr und ein schadhafter Boden machen den Verdacht wahrscheinlicher, Gewissheit gibt aber nur das Labor. Klären Sie deshalb vor jedem Umbau, was unter dem Belag liegt, und lassen Sie bei einem Befund nur eine Fachfirma arbeiten.
Häufige Fragen
Ist jeder schwarze Parkettkleber teerhaltig?
Schwarzer Kleber ist nicht zwangsläufig Teerkleber. Auch Bitumenkleber ist dunkel und enthält meist deutlich weniger PAK. Eine sichere Unterscheidung ist nur über eine Laboranalyse möglich.
Darf ich altes Parkett selbst herausnehmen?
Vor einer Analyse sollten Sie das nicht tun, weil dabei Staub entstehen kann, der PAK enthält. Ist der Kleber belastet, sollte ein Fachbetrieb mit Sachkunde die Arbeit übernehmen. Lassen Sie zuerst klären, was unter dem Belag liegt.
Ist alter Teerkleber unter intaktem Parkett gefährlich?
Die Belastung hängt vor allem vom Zustand des Bodens ab. Bei losen Stäben und offenen Fugen kann der Kleber Stoffe abgeben. Ob eine Versiegelung bei intaktem Parkett im Einzelfall genügt, klärt eine Fachperson.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.
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